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"Jegenstorfer"-Artikel

Einfache Antworten auf schwierige Fragen?

Wer sehnt sich nicht nach einfachen Antworten? Vor allem auf schwierige Fragen… In der Politik müssen viele schwierige Fragen beantwortet werden. Doch schlussendlich münden diese immer in eine einfache Ja/Nein-Frage: «Bist du dafür oder dagegen?» Das verleitet viele dazu, den mühsamen Weg der Auseinandersetzung mit den heiklen Aspekten einer Frage gar nicht erst zu gehen. Es ist anstrengend, zu versuchen, die unterschiedlichen Bedürfnisse und Interessen andersdenkender Mitglieder der Gemeinschaft zu verstehen. Politische Entscheidungen sind oft ein Abwägen, ein Austarieren und Kompensieren. Das ärgert viele, mich manchmal eingeschlossen. So geben manche Politiker gleich von Beginn weg einfache Rezepte als Lösungen aus. Und das wiederum führt oft zum Irrtum, es gäbe tatsächlich einfache Antworten auf schwierige Fragen. Ich glaube nicht, dass es sie gibt.

 

Es wäre jedoch falsch, vielleicht sogar fatal, nur deswegen schwierige Entscheide hinauszuschieben, weil man zu lange abgewägt und Meinungen eingeholt hat. Besser zur Tat schreiten und nach zwei Schritten halt auch mal wieder einen zurück tun. In unserem politischen System ist der grosse Wurf realistischerweise kaum mehr möglich (auch wenn ich unser System als solches als grossen Wurf bezeichnen würde). Vielmehr sind die kleinen Schritte in die richtige Richtung gefragt. Dass dieser Schritt nun aber nicht einmal beim sehr breit abgestützten CO2-Gesetz möglich war, gibt zu denken. Angesichts der Wetterextreme, Hitzewellen, Waldbrände und Überschwemmungen in den letzten Monaten äussern alle rundherum Betroffenheit, der Zusammenhang zum Klimawandel ist vielfach bewiesen. Weshalb ist dennoch eine Mehrheit der Schweizer Bevölkerung nicht bereit, einen ersten – moderaten! – Schritt zur Lösung der weltweiten Klimaproblematik zu gehen? Eine schwierige Frage… Nur drängt die Zeit langsam, um die schwierige Frage zufriedenstellend zu beantworten. Das Problem können wir nur als Gemeinschaft lösen. Handeln und erste Schritte tun kann aber jede und jeder einzelne schon jetzt.

 

Andreas Lehner, Münchringen