Filmabend und Diskussion vom 12.09.2019, Rückblick

Unsere Gesellschaft verbraucht in gigantischen Ausmass  elektronische Geräte: Handys, Laptops oder Tablets sind zur Konsumware geworden. Der Film "Death by Design" weist glaubwürdig auf die verheerenden sozialen und ökologischen Folgen der Produktion dieser Geräte hin. Gleichzeitig aber zeigt er auch einige Initiativen, die etwas an der Situation ändern wollen.

In der anschliessenden Diskussion ging es auch um die Frage, was wir einzelne konkret tun können. Jeder Beitrag, und sei er noch so klein, ist ein Zeichen dafür, dass wir der gezeigten Situation nicht tatenlos zusehen wollen. Ich kann zum Beispiel...

  • ...das Handy nicht über eine Vertragsbindung finanzieren – die Versuchung schrumpft, vorzeitig ein neues Gerät (erneut mit Vertragsbindung) zu "kaufen"
  • ...kaputte Teile ersetzen/reparieren, statt gleich ein neues Gerät kaufen, z. B. bei www.handydoktor.chwww.iklinik.ch oder bei meinem Mobilfunkanbieter
  • ... ein Second-Hand-Gerät kaufen.
  • ... den PC/Laptop neu aufsetzen (lassen), evtl. mit zusätzlichem Speicher aufrüsten.
  • ... beim Kauf eines Gerätes auf Sozial- und Umweltverträglichkeit achten, z. B. bei www.fairphone.com oder www.shiftphones.com
  • ... allgemein Gegenstände reparieren (lassen), z. B. bei www.repair-cafe-bern.ch (für sämtliche Gegenstände, die man dorthin tragen kann: Elektronik, Textiles, Holz, Spielsachen usw.)
  • ... mein Gerät doch noch etwas länger nutzen, solange es ja noch funktioniert.

Danke, dass Sie sich engagieren

Allen Mitbürgerinnen und Mitbürger, die sich kürzlich an den Jegenstorfer Wahlen für ein Amt zur Verfügung stellten, danken wir herzlich für ihr Engagement! Unsere Demokratie bietet vielfältige Möglichkeiten, sich aktiv an der Politik zu beteiligen. Das heisst noch lange nicht, dass man gleich ein öffentliches Amt übernehmen muss. An Abstimmungen meine Meinung kundzutun und an Wahlen teilzunehmen ist nicht nur ein Recht, ich persönlich verstehe es auch ein wenig als meine Pflicht als Stimmbürger. Und ich bin stolz und dankbar dafür, diese Aufgabe erfüllen zu können. Nirgends ist die aktive Beteiligung an der Politik einfacher als auf Gemeindeebene, zum Beispiel an der Gemeindeversammlung.

 

Eine kürzlich eingereichte Initiative in Jegenstorf verlangt nun, dass Budgetvorlagen, die eine Steuererhöhung beinhalten, an der Urne und nicht an der Gemeindeversammlung beschlossen werden müssen. Das Initiativkomitee begründet seinen Vorstoss u. a. damit, dass Steuererhöhungen "uns alle" betreffen und nicht nur den kleinen Bruchteil der Stimmberechtigten, der jeweils an der Gemeindeversammlung teilnimmt. Dies taugt jedoch nicht als Argument zur Befürwortung der Initiative. Die Initianten müssten konsequenterweise fordern, dass sämtliche Entscheide, die "alle" betreffen, der Entscheidkompetenz der Gemeindeversammlung zu entziehen sind. Ganz abgesehen davon, dass ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung keine Steuern bezahlt. Gehören diese nicht zu "uns allen"?

 

Ca. 18 % der Jegenstorfer Stimmberechtigten haben die Initiative unterzeichnet. Offenbar befinden sich viele darunter, die nie oder nur sehr selten an einer Gemeindeversammlung teilnehmen, sonst wären diese viel besser besucht. Deshalb bitte ich Sie, liebe Unterzeichnerinnen und Unterzeichner der Initiative: Nehmen Sie an den Gemeindeversammlungen teil und bringen Sie sich auch hier aktiv in die Gemeindepolitik ein. Dann haben Sie die Gelegenheit, ein Budget nicht nur anzunehmen oder abzulehnen, sondern auch kritische Fragen zu stellen oder vorzuschlagen, wo der Gemeinderat inskünftig Änderungen vornehmen sollte.

 

Ich möchte das Initiativkomitee und die Unterzeichnenden an folgendes erinnern: Die heutige finanzielle Situation wurde massgeblich durch eine Politik geprägt, die nicht Steuern auf Vorrat erheben und damit Reserven für (zumindest teilweise vorhersehbare) anstehende grosse Investitionsbrocken anlegen wollte. Deshalb senkten die damaligen Verantwortlichen die Steuern. Das ist legitim, insbesondere, weil man damals wusste, dass Zeiten kommen werden, in denen der Steuersatz wieder angehoben werden muss. Der Gemeinderat vertraute den Stimmberechtigten, dass sie vernünftig genug sind, um nach einer Phase tiefer Steuern auch wieder Hand zu bieten für massvolle und begründete Steuererhöhungen. An den Gemeindeversammlungen in den letzten Jahren wurde die Steueranlage jeweils auch relativ problemlos genehmigt. Dadurch erwiderten die Jegenstorferinnen und Jegenstorfer das in sie gesetzte Vertrauen. Eigentlich erstaunlich für unsere zu oft nur kurzsichtige und schnelllebige Zeit! Ich hoffe, dass solches in Jegenstorf auch in Zukunft noch möglich ist.

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